12 — 09

Sieh die Welt mit

Mooners Augen

D wie Dompteur Mooner. D wie Dafürhalten. Dagegenhalten. Dahintreiben. Darbietung. Darsteller. Dauergast. Debakel. Deckname. Dekoration. Demo. Denkanstoß. Desinteresse. Desperado. Dialog. Dickschädel. Dienst nach Vorschrift. Dies und Das. Diffamierung. Differenziert. Dimension. Discjockey. Diskussion. Disposition. Dissolution. Dogma. Dope. Drang. Dreh- und Angelpunkt. Dreikäsehoch. Dressing. Drohkulisse. Drum und Dran. Duftmarke. Durchboxen. Durchhalten. Durchsage. Durchwalken. Durchzug. Durst.

All diese D-Wörter sind nicht zufällig gewählt, sondern der Versuch, Emanuel Günther, der unter dem Decknamen Dompteur Mooner bekannt ist, zu beschreiben.
Trotz der vielen zur Verfügung stehenden D’s, hier noch ein paar mehr Takte zum Künstler hinter dem D.

Die Süddeutsche hat es einst so gut auf den Punkt gebracht, daher erlauben wir uns, Martin Pfür zu zitieren: „DJ-Urgestein, Chartstürmer, Totalverweigerer, Performance-Innovator, Labelgründer und Subkulturbewahrer zugleich zu sein, das können sicher nur wenige Münchner von sich behaupten. Wahrscheinlich ist Mooner sogar der einzige. Einer der schon an der Kunstakademie ein künsterlisches Selbstverständnis entwickelt hat, das Partys und Musik mit einschloss – und bildende Kunst ausschloss. […]“

„I want to use a system that uses us.“

Eines seiner aktuellen Projekte schließt die Kunst mal wieder mit ein und dabei niemand aus. 365 Tage lang zeigt und verkauft er über seinen Instagram Account handgefretigte Collagen zum Partypreis von 25,- EUR.
Auch für uns hat er zu Schere und Papier gegriffen und die Welt mit Matcha Augen gesehen. Das kann dann dazu führen, dass sich Pink Floyd und die Eagles zu einem Mashup zusammenschließen und Atom Heart Mother sich im Hotel California breit macht. Why not?! Danke dir!

D wie Durchhalten

 

„Das hälst du jetzt schon noch durch“ – Einen Satz wie diesen oder ähnliche hat bestimmt jeder schon mal gehört, wenn nicht sogar von sich gegeben.

Aber was bedeutet durchhalten eigentlich? „Auch unter erschwerten Bedingungen etwas fortsetzen.“, sagt das Wiktionary. Heißt, die Bedingungen waren anfänglich gut und wurden dann erst erschwerend? Was, wenn eine Sache von Anfang an erschwerte Bedingungen mit sich bringt? Was gilt es dann fortzusetzen, wenn noch nicht mal ein Anfang getan ist?

Gott sei Dank haben wir all die erschwerten Bedingungen, die die Getränkebranche von Haus aus mit sich bringt, gar nicht erst als Entscheidungskriterium bei der Frage nach der Realisierung von Matcha You hinzugezogen. Sonst hätten wir aufgeben können bevor wir angefangen haben.

Herzlich willkommen im Haifischbecken

Dominiert wird diese Branche natürlich von den großen Playern. Sich mit großen Konzernen zu messen, die einen perfekt organisierten Vertrieb haben und ausreichend Kapital, um sichtbares Marketing zu betreiben, ist nicht einfach. Einen Platz in der Gastro zu bekommen, wo sich die Fettärsche der Nation mit Geldkoffern breitgemacht haben und mit ihren hässlichen Brandings die Tresen schmücken, auch nicht easy. Türen zu öffnen, die durch Exklusivverträge geschlossen wurden? Schwierig! Im Handel Fuß zu fassen ohne großzügiges Gastgeschenk? Fast ein Ding der Unmöglichkeit! Einen Distributionspartner zu finden, der einen mit offenen Armen begrüßt – bitte, wer sind Sie? Freiware verschenken wie Sand am Meer? Achso, das machen alle so? Klar, dann machen wir das natürlich auch – not.

Kopieren ohne Genieren.

Was die Großen auch gerne machen, hier und da mal schauen, was die Kleinen so machen, um sich „inspirieren“ zu lassen. Während man selbst gerade einen erfolgreichen Start hingelegt hat, sieht man die Kopie seines Produkts bereits zielsicher im Regal landen. Als Produktneuheit verpackt natürlich. Das ist keine Produktneuheit, das ist allerhöchstens eine Produktgemeinheit.

Warum es sich lohnt, trotzdem durchzuhalten?

Wenn Handelspartner einem die Listungsgebühren erlassen. Händler zu einem halten, ohne dass von Anfang an gleich die riesen Mengen ihren Hof verlassen. Wenn Gastronomen das Produkt supporten, sich einsetzen und all das ohne dass Sonnenschirme oder andere große Investitionen gefordert werden. Wenn aus Menschen treue Kunden oder sogar Fans werden, die einen ganz selbstverständlich und mit viel Herz unterstützen. Unterm Strich und zusammengefasst: all die Menschen, die das Herz am richtigen Fleck haben und es in ihrem Gegenüber auch erkennen .

Einfach mal nicht die Fresse halten.

Zu jedem Durchhalten gehört aber auch ein wenig Durchhallen und die Stimme erheben und sichtbar zu machen, was unsichtbar bleiben würde, wenn nicht mal jemand darüber reden würde.

Wieso haben z.B. immer wieder die gleichen Firmen eine überdurchschnittliche Präsenz? Und wie setzt sich das Angebot in Supermärkten zusammen? In den seltensten Fällen bestimmt die Nachfrage das Angebot. Erst wird das Angebot bestimmt und mit nachhaltigem Werbedruck so lange beworben bis die Nachfrage stimmt. Der Konsument hätte so viel mehr Macht, Einfluss darauf zu nehmen, aber anstatt dessen frisst er schön weiter was ihm vorgesetzt wird! N’Guten!

All diese Worte sind mit einer Portion Mut und dem Wunsch nach mehr Bewusstsein durch einen Einblick in die Begebenheiten der Branche geschrieben. Wie ihr daran etwas ändern könnt?

Bewusst sein durch mehr Bewusstsein! Das kann man nicht immer und es wäre auch gelogen, wenn wir von uns behaupten, jeden Schritt im Leben bewusst zu machen. Trotzdem kann man jeden Tag aufs Neue anfangen, Dinge anders zu machen und öfters zu Produkten kleiner und/oder unbekannter Unternehmen greifen, damit diese weiter wachsen und größer werden. Wie groß? So, dass diese zumindest von dem leben können, wo ihr Herz drin steckt.

Dieser Beweggrund wird bei den meisten ausschlaggebend gewesen sein, um sich gänzlich von Anfang an für den „Durchhalten Weg“ entschieden zu haben. Und es ist auch der Grund, der einen trotz des immer wieder aufploppenden Wahnsinns veranlasst, weiter zu machen.

Life is heart! Join the Spirit.